
RAID erklärt: Level 0, 1, 5, 6 und 10 im Vergleich
RAID 0, 1, 5, 6 oder 10 – welches Level passt zu deinem NAS? Wir erklären Funktionsweise, Kapazität und Ausfallsicherheit mit konkreten Beispielen.
Was ist RAID?
RAID steht für Redundant Array of Independent Disks – eine Technologie, die mehrere Festplatten zu einem logischen Verbund zusammenfasst. Je nach RAID-Level erreichst du höhere Geschwindigkeit, bessere Ausfallsicherheit oder beides.
Wichtig: RAID ist kein Backup – es schützt vor Hardware-Ausfällen einzelner Platten, nicht vor Ransomware, versehentlichem Löschen oder Feuer. Für ein vollständiges Schutzkonzept brauchst du zusätzlich ein echtes Backup (3-2-1-Regel).
RAID 0 – Striping (Geschwindigkeit)
RAID 0 verteilt Daten gleichmäßig auf alle Platten (Striping).
- Vorteil: Maximale Geschwindigkeit und volle Kapazität aller Platten
- Nachteil: Keinerlei Redundanz – fällt eine Platte aus, sind alle Daten verloren
- Beispiel: 4 × 4 TB = 16 TB nutzbar
Einsatzgebiet: Temporäre Arbeitsdaten, Render-Cache, Spiele-Bibliotheken – niemals für wichtige Daten.
RAID 1 – Mirroring (Spiegelung)
RAID 1 schreibt identische Daten auf zwei (oder mehr) Platten.
- Vorteil: Höchste Ausfallsicherheit – eine Platte kann komplett ausfallen, die Daten bleiben verfügbar. Lesegeschwindigkeit verdoppelt sich.
- Nachteil: Du verlierst 50 % der Gesamtkapazität
- Beispiel: 2 × 4 TB = 4 TB nutzbar
Einsatzgebiet: Betriebssystem-Laufwerke, kritische Datenbanken, kleine NAS-Setups mit 2 Platten.
RAID 5 – Striping mit Parität
RAID 5 verteilt Daten und Paritätsinformationen über mindestens 3 Platten. Bei Ausfall einer Platte kann das Array aus der Parität wiederhergestellt werden (Rebuild).
- Vorteil: Guter Kompromiss aus Kapazität, Geschwindigkeit und Sicherheit
- Kapazität: (n−1) × Plattengröße → 4 × 4 TB = 12 TB nutzbar
- Nachteil: Rebuild-Zeiten bei großen Platten (8 TB+) können 12–24 Stunden dauern – in dieser Zeit ist das Array verwundbar
Einsatzgebiet: Allround-Lösung für NAS mit 3–6 Platten.
RAID 6 – Doppelte Parität
RAID 6 funktioniert wie RAID 5, speichert aber doppelte Paritätsinformationen. Es toleriert den gleichzeitigen Ausfall von 2 Platten.
- Kapazität: (n−2) × Plattengröße → 6 × 4 TB = 16 TB nutzbar
- Vorteil: Deutlich sicherer als RAID 5, besonders bei großen Platten mit langen Rebuild-Zeiten
- Nachteil: Schreibgeschwindigkeit etwas geringer als RAID 5, 2 Platten gehen für Parität verloren
Einsatzgebiet: NAS mit 4+ Platten und hohen Verfügbarkeitsanforderungen. In ZFS heißt das Äquivalent RAIDZ2.
RAID 10 – Kombination aus Mirroring und Striping
RAID 10 kombiniert RAID 1 (Spiegelung) und RAID 0 (Striping): Daten werden erst in Paaren gespiegelt, dann über die Paare verteilt. Mindestens 4 Platten erforderlich.
- Kapazität: 50 % der Gesamtkapazität → 4 × 4 TB = 8 TB nutzbar
- Vorteil: Höchste Lese-/Schreibgeschwindigkeit aller redundanten RAID-Level. Sehr schneller Rebuild.
- Nachteil: Nur 50 % Nutzkapazität – teuer bei vielen Platten
Einsatzgebiet: Datenbanken, VMs, Workloads mit hohen I/O-Anforderungen.
RAID-Level im direkten Vergleich
| RAID | Min. Platten | Nutzkapazität | Tolerierte Ausfälle | Geschwindigkeit |
|---|---|---|---|---|
| RAID 0 | 2 | 100 % | 0 | ⚡⚡⚡ Schnellste |
| RAID 1 | 2 | 50 % | 1 | ⚡⚡ Lesen schnell |
| RAID 5 | 3 | (n−1)/n | 1 | ⚡⚡ Gut |
| RAID 6 | 4 | (n−2)/n | 2 | ⚡ Schreiben langsamer |
| RAID 10 | 4 | 50 % | 1 pro Paar | ⚡⚡⚡ Schnell + redundant |
Welches RAID-Level für dein NAS?
- 2 Platten: RAID 1 – die einzige sinnvolle Option für Redundanz
- 3–4 Platten: RAID 5 (oder RAIDZ1 bei ZFS) – bester Kompromiss aus Kapazität und Sicherheit
- 4–8 Platten: RAID 6 (oder RAIDZ2) – mehr Sicherheit bei langen Rebuild-Zeiten
- 4+ Platten, hohe Performance: RAID 10 – wenn du dir den Kapazitätsverlust leisten kannst
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Häufig gestellte Fragen
Ersetzt RAID ein Backup?
**Nein, RAID schützt nur vor dem Ausfall einzelner Festplatten.** Es hilft nicht gegen Ransomware, versehentliches Löschen, Firmware-Fehler, Feuer oder Überspannung. Folge der 3-2-1-Regel: 3 Kopien, 2 Medien, 1 extern.
Kann ich verschiedene Plattengrößen in einem RAID nutzen?
**Bei klassischem RAID wird die kleinste Platte als Referenz genommen.** Unraid und ZFS mit Mixed-Vdevs bieten flexiblere Optionen. Bei RAID 5/6 sollten idealerweise alle Platten gleich groß sein.
Wie lange dauert ein RAID-Rebuild?
**Bei 4-TB-Platten typischerweise 4–8 Stunden, bei 8-TB-Platten 12–24 Stunden.** Während des Rebuilds läuft das System langsamer und ist (bei RAID 5) verwundbar. RAID 6 bietet in dieser Phase zusätzlichen Schutz.
Was ist der Unterschied zwischen RAID 5 und RAIDZ1?
**RAIDZ1 ist das ZFS-Äquivalent zu RAID 5, aber mit Copy-on-Write und Checksummen.** ZFS erkennt und repariert stille Datenkorruption (Bitrot) automatisch. RAIDZ ist daher sicherer als klassisches Hardware-RAID 5.
Quellen
- [1] ZFS Documentation – OpenZFS Wiki (openzfs.org)
- [2] Western Digital – RAID Level Comparison Guide
- [3] TrueNAS – RAIDZ Best Practices (truenas.com)