NAS selber bauen: Schritt-für-Schritt-Anleitung
NAS14 Min.· 2026-03-08

NAS selber bauen: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Vom Mini-PC zum eigenen NAS-Server: Hardware auswählen, Betriebssystem installieren und Freigaben einrichten – alles in einer Anleitung.

Warum ein NAS selber bauen?

Fertige NAS-Systeme von Synology oder QNAP kosten 300–800 € – ohne Festplatten. Für das gleiche Geld kannst du ein Eigenbau-NAS mit deutlich mehr Leistung aufsetzen.

Vorteile des Eigenbaus:

  • Du wählst die CPU-Leistung selbst (wichtig für Transcoding oder Docker)
  • Du bist nicht an proprietäre Software gebunden
  • Du kannst beliebig aufrüsten (RAM, NICs, SSDs)
  • Du lernst dabei eine Menge über Servertechnik

Ein Eigenbau-NAS auf Basis eines gebrauchten Mini-PCs oder eines kleinen ATX-Boards kostet oft nur 200–400 € inklusive Platten.

Hardware-Komponenten im Überblick

KomponenteEmpfehlungPreis (ca.)
GehäuseFractal Design Node 304 (6 Bays) oder Jonsbo N-Serie80–120 €
Mainboard + CPUIntel N100/N305 Mini-ITX (6–15 W TDP)100–150 €
RAM8 GB (OMV) / 16–32 GB (TrueNAS/ZFS)25–60 €
FestplattenWD Red Plus oder Seagate IronWolf (NAS-zertifiziert)70–110 €/4 TB
Netzteil80+ Gold, 200–350 W40–60 €
System-SSD128–256 GB NVMe oder SATA-SSD15–25 €

Faustformel für ZFS-RAM: 1 GB RAM pro 1 TB verwalteten Speicher, plus 8 GB für das Betriebssystem. Bei OpenMediaVault sind 4–8 GB ausreichend.

Betriebssystem: TrueNAS, OpenMediaVault oder Unraid

BetriebssystemDateisystemMin. RAMKostenStärke
TrueNAS SCALEZFS (RAIDZ)16 GBKostenlosEnterprise-Features, Snapshots
OpenMediaVaultext4 / Btrfs4 GBKostenlosLeichtgewichtig, einsteigerfreundlich
UnraidXFS / Btrfs4 GBAb 59 $Mixed Drives, Docker + VMs

TrueNAS SCALE (Linux-basiert) bietet integriertes Docker/Kubernetes, Snapshots und Replikation. Empfohlen für Nutzer, die Enterprise-Features wollen. Nachteil: Höherer RAM-Bedarf.

OpenMediaVault basiert auf Debian, ist ideal für Einsteiger mit einfacher Web-Oberfläche. Läuft gut auf schwacher Hardware (auch Raspberry Pi möglich).

Unraid ist kommerziell, aber sehr benutzerfreundlich. Ermöglicht das Mischen verschiedener Plattengrößen – beliebt in der Homelab-Community wegen der einfachen Bedienung.

Zusammenbau und Installation

  1. Schritt 1: Mainboard, CPU und RAM montieren. Bei Mini-ITX auf die richtige Reihenfolge achten – erst RAM, dann ins Gehäuse.
  2. Schritt 2: Festplatten einbauen und SATA-Kabel anschließen. Bei mehr als 4 Platten brauchst du ggf. einen HBA-Controller (z. B. LSI 9211-8i).
  3. Schritt 3: Netzteil installieren und alle Stromkabel verbinden.
  4. Schritt 4: USB-Stick mit dem Installer des gewählten Betriebssystems erstellen (Balena Etcher oder Rufus).
  5. Schritt 5: Vom USB-Stick booten, Installation durchführen. Bei TrueNAS wird das System auf eine separate SSD installiert.
  6. Schritt 6: Web-Oberfläche aufrufen (IP-Adresse:PORT) und Storage-Pool, Benutzer und Freigaben konfigurieren.

Grundkonfiguration: Pool, Freigaben und Backup

Nach der Installation richtest du als Erstes einen Storage-Pool ein:

  • ZFS (TrueNAS): Wähle ein RAID-Level wie RAIDZ1 (≈ RAID 5) für ein gutes Verhältnis aus Kapazität und Redundanz
  • Btrfs/mdadm (OMV): Erstelle ein Btrfs-RAID oder mdadm-Array

Dann erstellst du Freigaben:

  • SMB/CIFS für Windows-Zugriff
  • NFS für Linux-Clients

Aktiviere regelmäßige Snapshots (ZFS: stündlich, täglich, wöchentlich) und richte ein Off-Site-Backup ein: Syncthing für Peer-to-Peer-Sync oder rclone für Cloud-Backups zu Hetzner Storage Box oder Backblaze B2.

Kostenübersicht: Eigenbau vs. Fertig-NAS

Beispielrechnung für ein 4-Bay-NAS mit 16 TB Bruttokapazität:

LösungHardwareStrom/Jahr5-Jahres-Kosten
Eigenbau (N100, 16 GB, 4×4 TB)~500 €~72 €~860 €
Synology DS423+ (+ 4×4 TB)~1.000 €~60 €~1.300 €
QNAP TS-464 (+ 4×4 TB)~950 €~65 €~1.275 €

Strom berechnet bei 25 W / 20 W / 22 W Dauerbetrieb, 33 ct/kWh.

Der Eigenbau spart 300–500 € bei deutlich mehr Leistung (Intel N100 vs. Celeron J4125 in vielen Fertig-NAS). Nutze unseren NAS-Rechner für die exakte Kalkulation.

Häufig gestellte Fragen

Wie viel RAM braucht ein Eigenbau-NAS?

**Für OpenMediaVault reichen 4–8 GB, für TrueNAS mit ZFS sollten es mindestens 16 GB sein.** Die Faustformel bei ZFS: 1 GB RAM pro 1 TB verwalteten Speicher, plus 8 GB für das Betriebssystem. ECC-RAM ist empfehlenswert, aber nicht zwingend.

Welche Festplatten eignen sich für ein NAS?

**NAS-zertifizierte Platten wie WD Red Plus oder Seagate IronWolf sind für Dauerbetrieb optimiert.** Sie haben Vibrationssensoren, höhere MTBF-Werte und sind für RAID-Umgebungen ausgelegt. Desktop-Platten (WD Blue, Barracuda) funktionieren, haben aber kürzere Garantie und keine RAID-Optimierung.

Ist ein gebrauchter Mini-PC als NAS geeignet?

**Ja, gebrauchte Dell OptiPlex, HP ProDesk oder Lenovo ThinkCentre sind hervorragende NAS-Basis.** Sie kosten 80–150 €, haben niedrigen Stromverbrauch und genug Leistung für NAS + Docker. Nachteil: Meist nur 1–2 SATA-Ports, Erweiterung über USB 3.0 oder M.2-Adapter nötig.

Quellen

  • [1] TrueNAS – Hardware Guide (truenas.com)
  • [2] OpenMediaVault – Getting Started Guide (openmediavault.org)
  • [3] WD Red Plus – Produktdatenblatt (westerndigital.com)
  • [4] Bundesnetzagentur – Strompreise 2025/2026